2019 - Boystown

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2019

Chronik
Nachfolgend der Jahresbericht 2019. Er ist noch einmal an alle Förderer unseres Heimes in Mananthavady versandt worden. Interessenten können ihn auch hier herunterladen.
 
 
Boystown – Bischof Dr. Porunnedom besuchte uns
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Boystown - Freunde,
 
Bischof Dr. Jose Porunnedom ließ es sich nicht nehmen, der Pfarrgemeinde St. Elisabeth und Hubertus noch einmal einen persönlichen Besuch abzustatten, um sich abschließend für die jahrzehntelange materielle und ideelle Unterstützung des Waisenheimes Boystown zu bedanken. Dies ist ihm hoch anzurechnen, denn die Unterbringungsstätte für Jungen und Mädchen im südindischen Kerala existiert nicht mehr. Sie musste ihren Betrieb Ende letzten Jahres einstellen.
 
Am Samstag, den 26. Oktober dieses Jahres, traf der Erzbischof der Diözese Mananthavady, begleitet von Herrn Friedrich, nachmittags in Reuschenberg ein. Bei einer gemütlichen privaten Kaffeerunde tauschte man sich vor allem über die aktuellen Gegebenheiten in Indien aus. Dort leben zurzeit 3,5% Katholiken,  alleine 14% in Kerala. Die katholische Kirche folgt dem sogenannten syromalabarischen Ritus einschließlich der sieben Sakramente als Glaubensinhalt.  
Bedauerlicherweise haben im letzten Jahr alleine 45.000 Katholiken Kerala in Richtung Australien verlassen. Diese Gläubigen fehlen, ebenso wie viele andere Katholiken, die dem Land den Rücken gekehrt haben.
 
Nicht nur in Europa auch in Indien sei der Zuspruch zum katholischen Glauben rückläufig. Während es früher 50-60 Kandidaten im Priesterseminar gegeben  habe, seien es nun jedes Jahr nur noch rund 13 Anwärter. Die Mehrheit der Bevölkerung sei in Indien säkular ausgerichtet.
 
Gegen Abend wechselte man dann die Lokalität, denn im Veranstaltungsraum  der Kirchengemeinde warteten viele Freunde unserer langjährigen Initiative auf den Bischof. Es gab ein frohes Wiedersehen, besuchten doch einige der Anwesenden seine Exzellenz bereits in Indien. Zudem weilte der sympathische kirchliche Würdenträger zum vierten Mal in unserer Gemeinde.
 
Bei seiner Ansprache war Bischof Jose sichtlich beeindruckt von dem großen Interesse, das sein Besuch hervorgerufen hatte. „Auch wenn das Boystown–Waisenheim den Betrieb einstellen musste, bleibt doch ein tröstlicher Gedanke. Denn die geleistete Unterstützungsarbeit ist ein Teil des christlichen Ganzen, so wie Jesus auch ein Teil der Dreifaltigkeit ist.“ So äußerte sich Dr. Porunnedom zu Beginn.
1957 sei eine Regierung mit neuer politischer Richtung in Kerala gewählt worden.
Inzwischen gab es Generalstreiks und  insolvente Unternehmen. Insgesamt sei die Entwicklung dennoch positiv verlaufen und gerade Boystown sei den gesteckten Zielen gerecht geworden. Die Betreuung und Versorgung der anvertrauten Kinder und Jugendlichen durch Geistliche und  Schwestern der indischen Ordensgemeinschaft der Mägde Christi (Kristu-Dasi) seien über all die Jahre exzellent gewesen. Insgesamt seien übrigens 300 Ordensschwestern  weltweit tätig, unter anderem auch in Deutschland.
 
Wie viele Kinder sich insgesamt in Boystown aufgehalten haben, konnte der Bischof leider nicht beziffern.
Fest steht, dass heute viele Jugendlichen auch in Indien eine gewisse Anspruchshaltung hätten, auch dort seien Unternehmen wie Pepsi Cola und Google bekannt und aktiv.
 
Der Respekt vor den Gesetzen sei in Indien nicht so stark ausgeprägt wie in Deutschland, deshalb müsse manchmal  durchgegriffen werden. Es gebe zwar reguläre Steuereinnahmen, die Einnahmesituation sei jedoch defizitär. Auch Kirschensteuern existierten nicht.
Insgesamt fast 400.000 € gelangten durch die Aktivitäten der Gemeinde St. Elisabeth und Hubertus über die letzten 45 Jahre nach Indien und bewirkten, dass Hunderte von Kindern und Jugendlichen aus Problemfamilien ein christliches Zuhause und eine gute schulische und handwerkliche Ausbildung erhielten. Der inzwischen 64-jährige Erzbischof der Diözese Mananthavady schilderte noch einmal die seit rund zwei Jahren bestehenden Schwierigkeiten, das Heim den staatlichen Förderrichtlinien gemäß zu betreiben. Dies habe bedauerlicherweise die kirchlichen Möglichkeiten überfordert, so dass die Aufgabe des Heims unausweichlich wurde.
Damit geht nunmehr die großartige von Herrn Diakon Gehrmann initiierte und Herrn Franz Bellenberg langjährig fortgeführte Unterstützungsarbeit der Gemeinde St. Elisabeth und Hubertus zu Ende. Der sympathische Erzbischof würdigte dies ausführlich und war voll des Lobes über die jahrzehntelang geleistete Hilfe. Der traurige Anlass des Bischofsbesuchs, die Schließung des Heimes noch einmal zu erläutern, hielt den Organisator des Treffens und Unterzeichner jedoch nicht davon ab, seine Exzellenz erneut einzuladen: „Wir würden uns sehr freuen, Sie trotz der bedauerlichen Aufgabe von Boystown wieder hier begrüßen zu können und uns über die Entwicklung in Indien anhand Ihrer Schilderungen ein Bild zu verschaffen.“
 
Bischof Dr. Porunnedom sicherte ein Wiedersehen zu, womit sein Aufenthalt in Reuschenberg trotz des traurigen Anlasses einen positiven Ausklang fand.
 
Damit endet eine Ära, nämlich die seitens unserer Pfarre jahrzehntelang geleistete großartige Unterstützung des Waisenheimes Boystown. Ihnen sei noch einmal abschließend für Ihr Interesse und vor allem Ihre großzügige Hilfe herzlich gedankt. Wie hat es auch Herr Bellenberg in seinen Schreiben so treffend formuliert: Vergelt’s Gott!
Last but not least wünsche ich Ihnen ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes, glückliches Neues Jahr.

Ihr Michael Dörr
 


 
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